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Stadtführungen

Auf den Spuren von „Papa Frentrup“



Nachtwächter-Rundgang einer der Höhepunkte der historischen Führungen

Wenn es dunkel wurde in der Stadt, sorgte in früheren Zeiten der Nachtwächter für die Sicherheit der schlafenden Bürger. Ausgestattet mit Horn, Hellebarde und Laterne zog er seine Runden durch die Straßen und Gassen und warnte vor Feuer, Feinden und Dieben. „Papa Frentrup“ war einer der letzten Bünder Nachtwächter und in seine Rolle schlüpft der Stadthistoriker Jörg Militzer während einer ganz besonderen  nächtlichen Führung.

Dieser Rundgang einer der Höhepunkte im Programm des Bünder Stadthistorikers. Viele Stunden hat Militzer im Stadtarchiv verbracht, alte Protokollbücher und andere Quellen gesichtet, Kontakt zu Zünften aufgenommen und so in Kleinarbeit die Geschichte der Bünder Nachtwächter rekonstruiert. „Es gibt hier auf lokaler Ebene kaum Ausarbeitungen über diesen heute ausgestorbenen Beruf“, sagt Militzer. Mehrfache Anfragen hätten ihn angespornt, in diese Richtung zu forschen. Gab es diese nächtlichen Ordnungshüter auch an der Else? Was waren ihre Aufgaben? Diese und ähnliche Fragen standen am Anfang seiner Recherchen. Neben allgemeinen Sicherheitsfunktionen und der abschreckenden Wirkung seien besonders der Brandschutz und gleichzeitig das Anzünden der Laternen die Aufgaben dieser Berufsgruppe gewesen. Den ältesten Hinweis für diese Tätigkeit stammt für Bünde aus dem frühen 18. Jahrhundert.

„Es ist aber sehr wahrscheinlich, dass es auch hier wesentlich früher Nachtwächter gab“, so der Historiker. Die beiden letzten Bünder Nachtwächter, neben „Papa Frentrup“ ein gewisser Döpke, waren noch Anfang des 20. Jahrhundert in Amt und Würden. Karfreitag stellt Militzer seine Ergebnisse erstmalig vor, tauscht dabei Jeans und T-Shirt mit Kutschermantel und Dreispitz, und führt die Teilnehmer mit seiner Laterne zu markanten historischen Ecken der Elsestadt. „Wir besuchen einige anheimelnde Plätze, schreiten durch schmale Gassen, begutachten Fachwerk oder Kirchenfassaden, die im flackernden Licht anders aussehen, als zur Tagzeit.“ Mehr möchte Militzer noch nicht verraten. Er betont allerdings, dass es sich bei der Veranstaltung nicht „um reine Folklore, sondern um fundierte Geschichtsvermittlung“ handele. Die Kombination aus lokalhistorischen Informationen und Unterhaltung hat sich schon früher bewährt, beispielsweise bei dem Rundgang „Steinmeister und Wellensiek erzählen“, wo Militzer und Ulrich Kleier in die Rolle der Bünder Tabakpioniere schlüpfen.

9 verschiedene Rundgänge, jeweils mit einem anderen lokalhistorischen Schwerpunkt, finden in diesem Jahr statt . Dazu gehört auch die Busrundfahrt in Kooperation mit dem Bünder Stadtmarketing. Für Stadtmarketing-Chef Ralf Grund ist das „ein attraktiver Ausbau stadthistorischer Angebote. Von der hohen Akzeptanz der geschichtlichen Rundgänge profitiere auch die Museumsinsel, mit der Bünde ein Alleinstellungsmerkmal besitze.